Editor's Choice

Schloss Drachenburg in Königswinter

Ein beispielhaftes Gebäude der Gründerzeit

Schloss Drachenburg, Nordturm - Chris Hochberger
Schloss Drachenburg, Nordturm - Chris Hochberger
Stephan von Sarter stieg vom Gastwirtsohn zum Finanzgenie auf und erbaute sich mit Schloss Drachenburg einen repräsentativen Wohnsitz im Stil der Gründerzeit.

Das Schloss Drachenburg befindet sich inmitten eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands, auf halber Höhe zum Drachenfels im Siebengebirge. Es wurde in der Zeit von 1882 bis 1884 errichtet und kann als typisches Produkt der Gründerzeit betrachtet werden.

Baron Stephan von Sarter

Erbauer des imposanten Schlosses war Baron Stephan von Sarter (1833–1902).

Nach einer Banklehre und Aufenthalten in Paris und London, hatte es der Sohn eines Bonner Gastwirtes in Paris als Bankier und Börsenmakler zu großem Reichtum gebracht. Sarter hatte die Finanzierung zum Bau des Suezkanals vermittelt und die Finanzierung des Panamakanals maßgeblich selbst gefördert.

Seinem Reichtum verdankte er im Folgenden auch seinen Adelstitel; im Jahre 1881 wurde er - gegen eine nicht unerhebliche Spende - in den Freiherrenstand erhoben und zum Baron ernannt.

Als nun Adliger brauchte er auch einen angemessenen Wohnsitz. Obwohl in Paris lebend, beschloss von Sarter, sein Domizil nahe seiner Heimat Bonn, in Königswinter zu errichten. 1882 wurde der Grundstein zum Bau der Drachenburg gelegt, die - in üppiger Gründerzeitarchitektur – ein Wohntraum aus Villa, Burg und Schloss werden sollte.

Gründerzeit

Die Gründerzeit im engeren Sinn bezeichnet die Jahre vom Ende des Deutsch-Französischen Kriegs (1871) bis zum Beginn der großen Depression (1873), im weiteren Sinn die Zeit nach der Reichsgründung (etwa 1870–90).

Industrie und Wirtschaft hatten bereits in den 1860er Jahren einen Aufschwung erfahren, welcher nach dem Sieg Deutschlands im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, nicht zuletzt aufgrund der nachfolgenden Reparationszahlungen Frankreichs, seinen Höhepunkt erreichte.

Der Boom der deutschen Wirtschaft war sagenhaft, begleitet von einer rasant fortschreitenden Industrialisierung. Wissenschaft und Forschung florierten und Technik gehörte nun in vielen Bereichen zum Alltag.

Besonders das Bürgertum profitierte von dieser Entwicklung, denn es erreichte einen nie da gewesenen Wohlstand. Das deutsche Nationalbewusstsein war nach der Reichsgründung erheblich gewachsen, ebenso wie das Bedürfnis des reichen Mittelstandes nach Selbstdarstellung und Repräsentation. Dieses wirkte sich unverkennbar auf die Wohnkultur aus. Das Bürgertum orientierte sich bei seinem repräsentativen Lebensstil verstärkt am Adel, der alten Elite. Und so wurde beim Haus- und Wohnungsbau auf Formen aus der Vergangenheit zurückgegriffen.

Historismus

Dieser sogenannte Gründerzeitstil – auch Gründerzeitarchitektur – war geprägt vom Historismus, was bedeutet, dass man sich an den großen Kunststilen vergangener Epochen orientierte, wobei die gleichzeitige Verwendung mehrerer Stile kennzeichnend war.

Häuser und Wohnungen wurden eingerichtet oder gebaut nach dem Motto "je auffälliger, desto besser". Man wollte zeigen, was man erreicht, was man sich erarbeitet hatte.

Rheinische Sagenwelt und Prominenz auf dem Drachenfels

Auch Baron Stephan von Sarter hielt sich bei der Errichtung seines Repräsentationsdomizils nicht zurück.

Auf Mittelalter getrimmte Zinnen, Türme und Erker verzieren das Schloss. In Stein gemeißelte Figuren der Geschichte und rheinischen Sagenwelt schmücken den Bau von außen. An der Südfassade findet sich Julius Cäsar als mittelalterliche Baldachinfigur vereint mit Karl dem Großen und Kaiser Wilhelm I.

Am Nordturm - der auch nur Zierde ist, denn zu beschützen hatte er nie etwas - ist Gerhard von Rile, der erste Kölner Dombaumeister in Gesellschaft des Bildhauers Peter Vischer, Albrecht Dürer und Wolfram von Eschenbach. Dann gibt es da auch noch Siegfried, den Drachentöter und die Loreley.

Im Inneren hängen im eindrucksvollen Treppenhaus Porträts deutscher Herrscher und im Jagd- und Nibelungenzimmer monumentale Wandgemälde.

Auch wenn von Sarter nie auf Schloss Drachenburg einzog, sondern bis zu seinem Tod 1902 in Paris wohnte, demonstrierte es eindrucksvoll seinen Stand und Reichtum, ganz im Zeichen der Gründerzeit.

Heute ist das Schloss nach umfangreichen Restaurierungen in den letzten Jahren ein Museum für eben diese Zeit.

Britta Leyk, © Britta Leyk

Britta Leyk - Die Interessen und Themenbereiche der Autorin sind vielfältig. Ihr Schwerpunkt liegt jedoch im Bereich Geschichte und der gesunden ...

rss
Hilfreich?